Karlsruhe(r ) für Familien für Bürgerentscheid

Gerade in der Krisenzeit spielt faire und offene Kommunikation eine große Rolle. Aus diesem Grund ist es interessant, mit welcher Wortwahl das Karlsruher Stadtoberhaupt in diesen Tagen zu hören ist. Man gibt sich kämpferisch, als ob die Stadt vor Eindringlingen beschützt werden müsste. Dabei sind es „nur“ die BürgerInnen, die sich zu Wort melden. Sie schießen nicht mit schwerem Geschütz, sondern äußern ihre Bedenken, wie die ganzen letzten Jahre auch schon.

Nachdem sich im Gemeinderat endlich die angestammten Machtverhältnisse aufzulockern beginnen und frischer Wind wehen kann, besteht erneut die Möglichkeit, einen Bürgerentscheid auf die Beine zu stellen. Es ist mehr als offensichtlich, dass sich die Rahmenbedingungen im Vergleich zum letzten Bürgerentscheid 2002 stark verändert haben. Angefangen bei der finanziellen Schieflage über weitere Kostensteigerungen bis hin zu einem nach wie vor schwer kalkulierbaren sicherheitstechnischen Restrisiko.

Der erste Bürgerentscheid 1996 hat sich klar gegen eine Untertunnelung der Kaiserstraße ausgesprochen. Im zweiten Bürgerentscheid 2002 wurde das Konstrukt „Kombilösung“ entwickelt und mit der Kriegsstraßenproblematik auch gleich die U-Strab klar gemacht. Mit diesen Fakten wäre es nur fair gewesen, dann auch entsprechend mit der Kriegsstraße zu beginnen.

Für die Familien mit kleineren Kindern und Senioren in Karlsruhe ist es zwar ein Problem, das so viele Bahnen über die Kaiserstraße donnern, nicht aber das überhaupt welche fahren.

Mit Kinderwagen und weiterem Equipment ist es unbestritten schneller und bequemer ebenerdig einzusteigen, als in schmuddeligen Aufzügen in muffige dunkle Keller abzutauchen, wo die Kinder noch viel weniger von der Hand gelassen werden können.

Außerdem zählt für die nächste Generation der technische Fortschritt, die Innovation, ein fortschrittliches Stadtmarketing und ein gesunder Wirtschaftsstandort, nicht aber ein komplett überschuldeter Haushalt, der nicht mal den Gedanken an Neues zulässt. So stellt sich keine Familie die Zukunft für den Nachwuchs vor.

Die Zeit vor den Kommunalwahlen hat uns deutlich gezeigt, wie dringlich für die Themen Kinderbetreuung, Hort, Kinderarmut, Jugend-, Kultur- und Familienzentren sowie Sanierung von Schulen und die Förderung von Vereinen, Initiativen und Verbänden Lösungen benötigt werden. Ohne finanziellen Hintergrund werden Projekte ins Stocken geraten oder erst gar
nicht die Umsetzungsphase erreichen.

Zum Umdenken ist es nie zu spät, vor allem zeugt es von persönlicher Stärke und Charakter, wenn man die Probleme nicht nur erkennt, sondern sie auch zu lösen versucht und deshalb seine Meinung ändert. Augen auf und mitentscheiden.