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Natürlich spielen die steigenden und bereits gestiegenen Kosten (Baukosten, Erhaltungskosten, Ausstattungskosten, Nachfolgekosten, Kreditaufnahme/Tilgung/Zinsen ...) in einer veränderten wirtschaftlichen Krisenlage eine bedeutende Rolle.

Aber zudem geht es auch um Lebensgefühl, Sicherheit, Identität. Nicht von ungefähr lässt die VBK zu besonderen Anlässen und zur Freude vieler ihre Staßenbahn-Oldtimer durch die Kaiserstraße Parade fahren.

Viele, auch besonders Auswärtige, schätzen es, von der Straßenbahn aus links und rechts die Geschäfte sehen zu können und dabei zu überlegen, wohin man gleich gehen könnte. Die oberirdischen Haltestellen in erträglichen Abstand bieten zudem Bequemlichkeit (die viele schmerzlich vermissen werden), nicht nur beim Shoppen und Flanieren. Die Kaiserstraße ist außerdem so auch zu später Stunde etwas belebt und bietet einige soziale Kontrolle, und nicht nur die allgegenwärtige Kameraüberwachung.

Nicht umsonst sagen wir: „Wir lieben unsere Straßenbahn - oberirdisch".

Natürlich stören die Überland-Züge und Doppeltraktionen - sie haben in solch einer Straße nichts zu suchen. Die immer wieder gebrachte Begründung „die Auswärtigen und die Gäste wollen in die Kaiserstraße" zieht nicht (mehr). Diese wollen inzwischen häufig zum ECE-Center und sind dafür auch bereit, einige Schritte zu gehen oder gelangen über die Kriegsstraßenhaltestelle dorthin.

Außerdem: Man kann sich bei seiner Wohnung, seinem Wohnzimmer nicht nur nach Gästen und ihren Wünschen bzw. Wunschvorstellungen richten. Man lebt ständig darin und sollte sich selbst darin wohlfühlen - und so ist es auch bei der eigenen Stadt.

Wir sollen jetzt irrsinnige Kosten (trotz der Zuschüsse) und deren Auswirkungen auf die Stadt und ihre Bevölkerung, dazu Lärm, Staub, Dreck, Unbequemlichkeiten, Umleitungen, Verkehrs-Chaos und andere Belastungen über Jahre hinweg in Kauf nehmen, um die Kaiserstraße zu einer „Flaniermeile" zu machen, obwohl die Entlastung und (teilweise) Befreiung von den Überlandbahnen und Doppeltraktionen auch anders - ohne Kaiserstraßentunnel - möglich wäre. Doch so will man das nicht, und wir sollen das endlich akzeptieren und gute Verlierer sein. Aber - wie gesagt - es geht hier nicht um einen Wettkampf. Es geht um unsere Stadt.

Gudrun Vangermain