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Argument 1: SICHERHEIT.
Ein Stadtbahntunnel könnte zwar Gefahr und Zahl oberirdischer Stadtbahnunfälle verringern, brächte aber logischerweise die Gefahr unterirdischer Unfälle mit sich. Ohne Schmerzen und Schäden eines (oberirdisch) von einer Stadtbahn erfassten Menschen verharmlosen oder "aufrechnen" zu wollen (ganz bestimmt nicht!), muss ich doch feststellen, dass ein unterirdischer Unfall bzw. ein Tunnelbrand oder ein Terroranschlag im Tunnel nicht weniger schlimm verlaufen (und noch mehr Menschen betreffen und schädigen) dürften. Dazu kommt die seit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs endlich größeren Teilen der Bevölkerung bewusst gewordene Gefahr, dass etwas "absackt", wo etwas untertunnelt und "ausgehöhlt" wurde; wie ähnlich oder unähnlich die geologischen und baulichen Verhältnisse in Karlsruhe auch sein mögen, das berühmte Restrisiko, das einem den Rest geben kann, bleibt.

Argument 2: KOMFORT.
Der Stadt- und Straßenbahnstreckenabschnitt Marktplatz-Herrenstraße-Europaplatz (bzw. umgekehrt) bietet neben der ohnehin einen wesentlichen Pluspunkt des ÖPNV bedeutenden Möglichkeit, als Bahninsasse die "oberirdische Welt" betrachten, sich daran orientieren und sich - z. B. angesichts eines neuen Ladens oder Sonderangebots - spontan zum Aussteigen entschließen zu können, den zusätzlichen Komfort, dank "Weithinsichtbarkeit" der Bahnen relativ gut einschätzen zu können, ob man z. B. auf Höhe Herrenstraße noch einen Schnelleinkauf erledigen kann, bevor die Bahn aus Richtung Europaplatz anrollt, oder die Möglichkeit, eine von der Haltestelle Herrenstraße abfahrende Bahn durch Sprint von Karstadt nach Marktplatz dortselbst noch zu erreichen. All das entfällt, wenn man in den Untergrund muss und zum Dort-Warten verdammt ist ... Von der Mühe für (Geh-)Behinderte sowie dem Thema "Untergrundkriminalität"/-vandalismus ganz zu schweigen.

Argument 3: ÖKOLOGIE.
Erst jüngst ist mir bewusst geworden, dass dem Stadtbahntunnel die Bäume in der Kaiserstraße zum Opfer fallen würden (vermutlich ersatzlos)! Dass ich Derartiges für nicht akzeptabel halte, konnte man unter anderem bereits einem Leserbrief von mir zu BNN-Artikel "Der Bahnhofsplatz wird sich steinern zeigen" und -Kommentar "Klare Linien" (17.2.2009, "Karlsruhe") entnehmen (wurde von den BNN in "redigierter" Form veröffentlicht), aus dem ich hier zitiere:
"Umweltschutz, Tierschutz (Lebensraum Baum), Menschenschutz (Bäume als "Augenweide" und Schattenspender für Passanten und Hotelgäste; erinnert sei an das Problem tödlicher Sommerhitze in städtischen "Steinwüsten" und die Lage Karlsruhes im schwül-heißesten Teil Deutschlands): Fehlanzeige. Ent- statt Begrünung: ein Horrorszenario, das keine "Miss Germany" und keine Berlinale-Regisseurin wettmachen können."
Dazu kommt das Problem zusätzlichen Energieverbrauchs (Beleuchtung der U-Haltestellen und Bahnen).

Argument 4: ÖKONOMIE.
Kein Wunder, dass die Geschäftsleute der Kaiserstraße eher gegen die Tunnelbaumaßnahme sind. Erst die "kundenvertreibenden" Bauarbeiten, dann die in "Argument 2" skizzierte Situation (Fahrt/Ein-/Aussteigen im Untergrund, d. h. Entfallen "spontaner Aktionen"). Dass die Kaiserstraße als entgrünte, breite Flaniermeile mehr Kunden zum Einkaufsbummel lockt, halte ich für fraglich; gerade die - oberirdische - Stadtbahn bringt ja erst die Kunden, und zumindest die "sehenden Spontankunden" gehen im Untergrund verloren ... Ein klassischer Schaufensterbummel, bei dem man auch Produktdetails erkennt und Produktbeschreibungen lesen kann, dürfte von der Mitte der Kaiserstraße aus nur "Adleraugen" möglich sein, sodass auch auf der entgrünten, breiten Flaniermeile mit "behindernden" Menschenmassen näher an den Ladenzeilen zu rechnen ist, wo der Einkaufsbummel schon heute in gleicher, "baumschattigerer" Weise vorgenommen werden kann; und wer "nur" spazierengehen will, wird das wohl eher nicht auf der entgrünten, breiten, arkadenlosen Einkaufsstraße tun. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis die Rufe, die unattraktive Kaiserstraße wieder für den Autoverkehr zu öffnen, lauter würden ... - Von den horrenden Kosten für die Tunnel"lösung" ganz zu schweigen.

Argument 5: WARUM SO KOMPLIZIERT?
Bleibt noch die immer wieder und nicht ganz zu Unrecht geäußerte Kritik, die langen Doppel-Stadtbahnen (S1, S11) bzw. unmittelbar aufeinanderfolgende Bahnen behinderten Passanten beim Überqueren der Straße bzw. Gleise. Dem könnte man - meiner in baulichen Fragen zugegebenermaßen laienhaften Meinung nach - relativ einfach Abhilfe schaffen: zwei im Verhältnis zur Untertunnelung der Kaiserstraße sicherlich "billige" und "sichere" Fußgängerunterführungen für Eilige - die eine von der Zähringerstraße zum Areal gegenüber (Rathaus-/Marktplatz), die andere im Bereich Europaplatz/Karlstraße -, und fertig.